| Hersbrucker Zeitung vom 13.Juni 2001 von Johannes Michel
Gitarrenkurs heuer auch mit Flamenco
Zum zweiten Mal kommt es in August in Hersbruck zur internationalen Begegnung von Musikern
Hersbruck. Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr erfährt der internationale Gitarrenkurs in Hersbruck eine Neuauflage. Vom 4. bis 12. August findet diese Ereignis auch heuer in Hersbruck statt. Die beteiligten Dozenten waren nach den Veranstaltungen im letzten Jahr (darunter sieben Konzerte) so begeistert, dass sie Bürgermeister Wolfgang Plattmeier die Zusage gegeben hatten, in diesem Jahr wieder nach Hersbruck zu kommen. Mit dem Südamerikaner und Dozenten für Gitarre an der Universität von Wien Arnoldo Moreno, dem Franzosen Gérard Abiton, der Dozent an der Nationalen Musikschule in Orleans ist und dem spanischen Dozenten am musikalischen Konservatorium in Granollers/Barcelona Josep Henríquez konnten damals hochklassige, international renommierte Dozenten für Hersbruck gewonnen werden. Das Konzept des Kurses 2000 integrierte mehrere sehr gut besuchte klassische und lateinamerikanische Konzerte im Park des AOK-Bildungszentrums und in der Stadtkirche, sowie ebenfalls mehrere öffentliche Sessions der Studenten und Dozenten in Kneipen und Gasthäusern der ganzen Stadt und dem Umland. Das Besucherinteresse war sehr groß.
In diesem Jahr konnte zusätzlich noch Martin Kelner engagiert werden. Er ist Dozent an der Universität für Musik in Wien mit dem Spezialgebiet Flamenco. Insgesamt bietet der Kurs genauso wie die umrahmenden Konzerte ein breites Spektrum an Stilrichtungen. So sind Henriquez und Abiton Meister der klassischen Gitarre, während sich Arnoldo Moreno eher für die Bereiche Popular Music, Fingerstyle oder Latin Jazz spezialisiert.
Martin Kelner verleiht dem Kurs in diesem Jahr eine besondere spanische Note. Er wird Flamenco spielen und lehren. Zudem wird ein Workshop "Percussion und Rhythmusschule für Gitarristen" angeboten, den der Österreicher Ernst Grieshofer leiten wird. Grieshofer dürfte den Besuchern der Spontankonzerte in den Kneipen im letzten Jahr bekannt sein. Am Schlagzeug sorgte er damals mit seinen brillanten und langen Solos für Begeisterungsstürme.
Noch Plätze für Teilnehmer frei
Der Kurs wird inklusive Übernachtung und Vollpension für 700 DM angeboten und steht Interessenten aus Europa und unserer Region gleichermaßen offen. Der Tagesablauf ist so gegliedert, dass nach Frühstück ab 10 Uhr drei Stunden Einzel- und Gruppenunterricht vorgesehen ist. Nach Mittagessen und Siesta geht der Kurs ab 16 Uhr weiter und endet um 18.30 Uhr mit dem Abendessen. Die Konzertplanung in diesem Jahr sieht drei große Konzerte in Hersbruck und der Region vor. Der Auftakt bildet die „Guitarra latina“ ein lateinamerikanisches Gitarrenkonzert, das bei den Möbelmachern in Unterkrumbach am Sonntag, 5. August nachmittags stattfinden wird. Als Highlight der klassischen Gitarre wird am Mittwoch Abend (8. August) in der Stadtkirche die „Guitarra classica“ präsentieren. Das Abschlusskonzert wird wie im letzten Jahr im wunderbaren Ambiente des Parks des AOK-Bildungszentrums in Hersbruck am Samstagabend veranstaltet. Hier werden im wesentlichen die Studenten als Gitarrenorchester Hersbruck 2001 das Gelernte präsentieren.
Sessions in Kneipen
Neben den drei Konzerten sind noch drei Jam-Sessions in Kneipen und Gasthäusern geplant. Zeit und Ort werden kurz zuvor in den Medien bekannt gegeben. Ziel der Veranstalter ist es, neben den Studenten aus Europa auch Gitarristen aus Hersbruck und der näheren und weiteren Umgebung zu diesem Kurs begrüßen dürfen. Er ist die ideale Mischung aus künstlerischer Qualität und Spaß und Vergnügen in einer Woche Gitarre mit internationalem Flair. Die Veranstalter sehen den Kurs als Bereicherung der kulturellen Szene und des Angebots in Hersbruck. Dabei soll keinerlei Konkurrenz zum bestehenden Angebot von Musikschulen, Gitarrenlehrern und Vereinen geschaffen werden. Einzige Voraussetzung für die Teilnahme an dem Kurs ist, dass man gut Gitarre spielt. Das Niveau wird allgemein als fortgeschritten bezeichnet.
Nähere Informationen auch für eine Teilnahme ohne Übernachtung, für Hersbrucker oder Teilnehmer aus der Region, erteilt gerne Johannes Michel von der Stadtverwaltung Hersbruck (Tel. 09151/735 109 od. per Email: Stadtmarketing@hersbruck.de)
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| Hersbrucker Zeitung v. Juni 2001 von herwig Danzer
Der Initiativkreis Holz aus der Frankenalb startete sein Monatstreffen in Unterkrumbach mit einer Besichtigung der Musterhausbaustelle. Die gerade gesägten Kiefern und Lärchen aus Osternohe sind zwar noch im Außenlager oder der Trockenkammer der Möbelmacher, aber die Bodenplatte für das deutschlandweit beachtete Holzhaus-Pilotprojekt ist schon fertig. Gesprächsleiter Dipl.ing.agr. Rainer Wölfel vom Naturschutzzentrum Wengleinpark begrüßte in der traditionellen Küchenrunde als neues Mitglied den Schnaittacher Sägewerksbesitzer Wolfgang Stümpfel, der für den Arbeitskreis die Lücke zwischen Waldbauern und Zimmerern schließt. Er stehe in der Fertigungskette zwischen der Forstbetriebsgemeinschaft, vertreten von Geschäftsführer Michael Müller, und dem Zimmererhandwerk, vertreten durch Christian Breu. Dies sei für den Kreis wichtig, weil er interessierten Hausbauern, die Wert auf heimisches Holz legen, alle notwendigen Informationen liefern wolle. Denn das vom Initiativkreismitglied Norbert Thiel speziell für die Familie Danzer entworfene Musterhaus soll nicht als Fertighaus missverstanden werden. Es soll vielmehr zeigen, dass mit Material und Handwerkern aus der Region individuelle Häuser zu realistischen Preisen gebaut werden können. Es sei ein Muster für Konzept und Logistik, aber nicht für die Bauart.
Das wichtigste Ziel des Initiativkreises ist die wachsende Verwendung des Holzes aus der Region vom Brenn-, über das Bau- bis zum Möbelholz. Wobei der ökologische Unterschied zum "meilenweit gereisten" kanadischen Holz aus Kahlschlägen nicht weiter erwähnt werden muß. Während die negativen Auswirkungen des unsinnigen kontinentweiten Holztransports fast schon jedem bewußt sind, müssen die Mitglieder aber noch gegen unhaltbare Falschmeldungen in Anzeigen argumentieren, kanandisches Holz sei qualitativ besser. Bei der Diskussion über den humorvoll gedachten Radiospot, der sich über Holzhausbauer lächerlich macht, waren die Mitglieder der Meinung, dass er durch die Aggressivität eher das Gegenteil seines Zieles erreichen wird.
Der Initiativkreisfachmann für Wärmeberechnungen Dipl. Ing. Rudolf Cirbus erklärte anschließend, dass die Aktivitäten des Initiativkreises zwar viele große und auch einige kleine Holzheizkonzepte in der Region initiiert haben, dass aber weiterhin an verbesserten Versorgungskonzepten mit dem Brennstoff Holz gearbeitet werden müsse. Denn auf Dauer müssen alle Holzheizprodukte unproblematisch zur Verfügung stehen und nicht nur die wenigen Holzbriketts aus der Fertigung der Möbelmacher.
Das Treffen der Holzfachleute, die als Arbeitsgruppe bei der Forstbetriebsgemeinschaft Nürnberger Land konstituiert sind, beendete Michael Müller mit dem nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag, den in wenigen Wochen anstehenden Baubeginn, das Richtfest, die Fertigstellung und sogar die Küchenistallation des Musterhaus ausgiebig zu feiern. Bauherr herwig Danzer versuchte dieses schwierige Thema gleich in den Bereich Öffentlichkeitsarbeit zu ziehen, für die er sich von allen aktive Unterstützung erhoffe. Die regelmäßig aktualisierte Website www.die-moebelmacher.de/musterhaus zum Beispiel, sei unter anderem wegen des Artikels in der Bayerischen Staatszeitung und dem Workshop in Bonn gut besucht und es bestätige sich die Erfahrung des Initiativkreises, dass ein praktiziertes Beispiel viel mehr bewirke, als ein schönes Logo oder lange Diskussionen.
herwig Danzer
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| Hersbrucker Zeitung am Dienstag, 22.Mai von Ursula Pfeiffer
Hersbruck seit Freitag erste ,Slow City" außerhalb Italiens
Lebenswerter Vorreiter
Bewegung würdigte Arbeit der verschiedenen Regional-Initiativen
Willkommen im Club der „lebenswerten Städte“, der Slow Cities. Küchenchef Hans-Peter Eberhard vom Grünen Baum, umringt von seinen „cameriere“ (Kellnern), natürlich nur für das Foto: v. l : Alberto Montebello, Koordinator der cittaslow, Prof. Paolo Menis, Bürgermeister von San Daniele, Pietro Ottavio Fusco, Bürgermeister von Positano einem seiner Stadträte.
Als erste Stadt außerhalb Italiens erhielt Hersbruck das Diplom slow city (cittaslow): Darüber freuen sich: v.l.: Herwig Danzer, Rainer Wölfel vom Naturschutzzentrum Wengleinpark, Friederike Klatt vom Vorstand Slow food, City-Manager Johannes Michel, Küchenchef Eberhard und Koordinatorin Manuela Sillius. Fotos: U. Pfeiffer
Süße Verführung: Rhabarbermousse auf Gravensteiner Apfelsauce und Löffelbisquits.
HERSBRUCK Seit Freitagabend ist Hersbruck die erste deutsche Slow City wobei slow hier nicht „langsam“, sondern „lebenswert“ bedeutet. Die aus deutschen und italienischen Kommunalpolitikern, regionalen Erzeugern und Wirten und genussfreudigen Bürgern bunt gemischte Versammlung im „Grünen Baum“ in Kühnhofen nahm es mit Beifall auf.
Der Begriff Slow City kommt, wie aus der Ansprache von Bürgermeister Wolfgang Plattmeier hervorging, von der in Italien entstandenen Slow Food Bewegung her, die sich gegen die Überschwemmung Europas mit überall gleich schmeckendem Fast Food wendet und demgegenüber die Qualität der regionalen Küche und ihrer Produkte herausstreicht. Italienische Kommunalpolitiker haben daraus die Slow City-Bewegung entwickelt, die dieses Prinzip auf allen Ebenen umsetzen will: Erhaltung der gewachsenen Siedlungsstrukturen und der Kulturlandschaft, verbesserte Umweltqualität, Unterstützung der Produktion hochwertiger Lebensmittel aus der Region nach herkömmlichen und umweltverträglichen Methoden, sowie die Bewahrung kultureller Besonderheiten wie der Hirtenkultur oder der traditionellen Kirchweih. In Italien, teilte der Bürgermeister mit, hat diese Bewegung bisher 33 Mitgliedsstädte, die dort cittaslow genannt werden. Plattmeier, der das Engagement seines City-Managers, Johannes Michel, in diesem Zusammenhang besonders hervorhob: „Wir freuen uns, in diesen Kreis aufgenommen zu werden.“
Auslöser für die Nominierung Hersbrucks seien die vielfältigen Aktivitäten in Stadt und Region zur Förderung regionaltypischer Erzeugnisse und kultureller Besonderheiten. Entscheidend sei auch die Arbeit von Manuela Sillius vom Slow Food-Convivium Nürnberg gewesen, die inzwischen Koordinatorin der Slow Cities in Deutschland ist.
Charmant und souverain übersetzte sie alle Reden simultan egal ob ins Deutsche oder Italienische.
Der Koordinator der Slow Cities mit dem wohlklingenden Namen Alberto Montebello, der mit den Bürgermeistern der Städte Positano, Pietro Ottavio Fusco und San Daniele, Prof. Paolo Menis, und Vertretern des Stadtrates an der Veranstaltung teilnahm, drückte seine Freude darüber aus, dass Hersbruck als erste Stadt außerhalb Italiens in den Kreis der „lebenswerten Städte“ aufgenommen wird. Mehr Lebensqualität für die Bürger und Gäste einer Stadt zu schaffen, sei eine stete Herausforderung. Sie könne durch gegenseitigen Austausch und den Aufbau eines Netzwerks zwischen den Städten besser bewältigt werden.
Diesen Titel zu erhalten, sei eine Ehre und zugleich ein Ansporn, ihn mit Leben zu erfüllen, sagte Rainer Wölfel vom Naturschutzzentrum Wengleinpark in seinem knappen, überzeugenden Statement. Dies sei das Ergebnis von zahlreichen besonders engagierten Regional-Initiativen für eine naturschutzgerechte Entwicklung der Hersbrucker Alb: die landwirtschaftlichen Direktvermarkter, die Streuobstinitiative, der Initiativkreis Holz, sowie die „Regionalen Wochen“ der Gastronomie. Bereits der Tag der Regionen habe von Hersbruck aus seinen Weg in viele Bundesländer genommen. Auch Brigitta Stöber, die für den Stadtrat sprach, Herwig Danzer von den Möbelmachern und die eigens aus Ulm angereiste Friederike Klatt, die Vorsitzende von Slow Food Deutschland, unterstützten die regionale Idee.
Das viergängige ausgedehnte Festessen und die Atmosphäre in Kühnhofen waren dem Anlass entsprechend: lecker und locker. Deutsche und Italiener „kauderwelschten“ fröhlich miteinander (wie bitte übersetzt man Bärlauch und gelbes Fleckvieh?).Die Italiener tranken zunächst Bier, die Deutschen Wein, und Küchenchef Hans-Peter Eberhard hatte sicher nicht geahnt, dass er schon beim ersten Gang, einem Sittenbacher Carpaccio mit Albkäse, Stangenbrot und Bärlauch-Sauce, mit Professore Paolo Menis, dem Bürgermeister von San Daniele, einen profunden Schinken-Kenner vor sich hatte: In den idyllisch gelegenen 8000-Einwohner-Ort in den Bergen Friauls strömen alljährlich 500 000 Pilger zur berühmten „festa del prosciutto“, zum Schinkenfest.
(Wie wärs eigentlich in Hersbruck mit einem riesigen Bratwurstfest? Für 500 000 Pilger bräuchte man dann aber mindestens eine Million Würste...).
U RSULA PFEIFFER
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| Hersbrucker Zeitung vom Montag, den 21.Mai 2001
Hersbrucker Gewerbeschau Renner
Bei der Eröffnung der 3. Handwerker- und Gewerbeschau am Freitag sah es
noch so aus, als hätte das schon sprichwörtliche Wetterglück bei ihren Veranstaltungen die Hersbrucker diesmal im Stich gelassen. Doch bis Samstagnachmittag verzogen sich die Regenwolken, und die Mienen bei Besuchern und Ausstellern erhellten sich wie der am Ende strahlend blaue Himmel über dem Ausstellungsgelände. Und gestern war dann das
Wetter ideal. Dabei hatte der verregnete Start auch sein Gutes,
berichteten die Ausstellungsmanager Franz Schmidt und Karlheinz
Wölfel: Die beteiligten Firmen hatten Zeit, sich gegenseitig auszutauschen und
Kontakte zu knüpfen, was bei dem stetigen Besucherandrang an den folgenden Tagen nicht mehr möglich war. Das
habe ebenso zu dem guten Klima unter den
Ausstellern beigetragen wie das
verbesserte Sicherheitskonzept, meinten die beiden
Organisatoren. Eine 24-stündige
Bewachung des Geländes entledigte die Betriebe der
Sorge um ihre wertvollen
Ausstellungsstücke.
Trotz des noch unsicher scheinenden Wetters
drängten sich am Samstag die
zahlreichen Besucher der Gewerbeschau zwischen den
Ständen im Freigelände und
im Zelt. Das große Interesse belohnte die
Aussteller für alle Mühen der
Vorbereitung. Wo etwas Attraktives zu sehen war,
bildeten sich schnell Trauben von
Zuschauern, die sich nichts entgehen lassen
wollten: So bei der Firma Bub, wenn
das "Bob-Cat" auf seiner Baggerschaufel "Kopf
stand", oder wenn die Frisöre auf der
Bühne im Zelt ihre Fertigkeiten am "lebenden"
Objekt zeigten.
Groß war der Andrang beim Schaukochen in der Möbelmacherküche. Die Rezepte für die gezeigten Gerichte konnten die Zuschauer mitnehmen, um sie zu Hause nachzukochen.
Rahmenprogramm kam gut an
Großen Anklang fand das bunte Rahmenprogramm bei
den Besuchern der
Gewerbeschau. Peter Himml zeigte mit seinen
"kleinen Drachen", den jungen Wing
Chun- Schülerinnen und Schülern, wie beweglich
diese chinesische Sportart macht.
NaDaBh formte bei einem Schaumodellieren
künstlerische Plastiken. An vielen
Firmenständen gab es Gewinnspiele mit kleinen
Preisen, aber auch praktischen Rat
konnten sich Interessierte holen.
Die Polizei informierte über Suchtberatung,
Verkehrserziehung und
Einstellungsmöglichkeiten, die HEWA beriet über
Trinkwasser und
Energieeinsparung, bei Augenoptik Riedl wurden
Sehtests durchgeführt, und der
Förderverein für das Hersbrucker Krankenhaus bot
neben informativen Videofilmen
einen kompletten persönlichen Gesundheits-Check
an. Auch die Schornsteinfeger
hatten einen Informationsstand. Hier war von den
schwarzen Glücksbringern alles
über umweltgerechtes Heizen zu erfahren.
Eine außerordentliche Anziehungskraft ab 15.30 Uhr
hatte der Firmenstand des TV-
und Hifi- Fachgeschäftes Pilhofer. Die Fußballfans
konnten hier live den
nervenaufreibenden Endkampf um die deutsche
Meisterschaft verfolgen. Deutlich war
am Mienenspiel der Fans zu erkennen, ob gerade
Schalke oder Bayern vorne lag.
Doch ebenso wie das Wetter der Gewerbe- und
Handwerkerschau führte auch
dieses Ereignis, zumindest für die Bayernanhänger,
zu einem erfreulichen Ende.
Zufrieden waren Organisatoren und Aussteller am
Sonntag, der ihnen nicht nur einen
blauen Himmel bescherte. Zahlreiche Besucher
warteten vormittags schon vor
Öffnung der Tore auf Einlass. Ein erfolgreicher
Abschluss der 3. Hersbrucker
Handwerker- und Gewerbeschau war so
vorprogrammiert.
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| Nürnberger Nachrichten vom Dienstag, 15.Mai 2001 von Horst M. Auer
„Landschaft schmeckt“: Bund Naturschutz will
vorbildliche Initiativen für regionales Wirtschaften
gestärkt wissen „Neue Partnerschaft zwischen
Stadt und Land“ Bauer wirbt um größere gesellschaftliche Anerkennung seiner Arbeit
Antrieb durch Bewusstseinsschub beim Verbraucher?
VON HORST M. AUER
KAINSBACH „Landschaft schmeckt“ unter diesem
Motto will der Bund Naturschutz (BN) verstärkt den
Zusammenhang zwischen Konsumverhalten und
Landschaftsbild bewusst machen. Für seine Kampagne sieht
der Umweltverband günstige Vorzeichen: BSE-Krise und
andere Lebensmittelskandale haben den Verbrauchern die
Augen für die Notwendigkeit regionaler
Versorgungsstrukturen geöffnet, meint der BN.
Unter blühenden Obstbäumen am Kornanger oberhalb von
Kainsbach fällt der Blick weit ins Tal. Hecken und ein
gewundener Feldweg rahmen den ehemaligen Viehweideplatz
des Dorfes ein. „In der Zeit, wo ich hier einen halben
Hektar
mähe, mähe ich anderswo auf ebener Fläche leicht zehn
Hektar“, sinniert Uwe Neukamm aus Vorderhaslach mit
Blick auf die buckelige Hangwiese.
Enge Grenzen
Der Bauer weigert sich jedoch beharrlich, in den Sog der
Agrarindustrie zu geraten und als Konsequenz die Landschaft
„maschinenengerecht zu modellieren“. Dafür hat er eine viel
zu starke Beziehung, eine emotionale Bindung an seine
Heimat. Die anonyme Billigproduktion für einen dubiosen
Weltmarkt ist deshalb seine Sache nicht: „Ich kann global
denken, aber nicht global fühlen“. Schon allein die
Kleinräumigkeit der Hersbrucker Alb setzt einem
flächenmäßigen Wachstum enge Grenzen, findet Neukamm.
Also mehr Qualität. Und die muss stärker honoriert werden,
fordert der Bauer, dem ein „System der Achtung und
Wertschätzung“ im gegenseitigen Verhältnis von Landwirt und
Verbraucher wie auch im gemeinsamen Umgang mit der
Natur wichtig ist. Mitstreiter hat Neukamm bei einigen
Kollegen gefunden, mit denen er sich vor ein paar Jahren zu
einer Selbstvermarktungsinitiative zusammengeschlossen hat.
Neue Wege gehen: Auf der Suche nach Lösungen für die
krisengeschüttelte Landwirtschaft sind im Hersbrucker Land
etliche Ideen entwickelt worden, die für andere Regionen
richtungsweisend sein können. Ideen, die laut dem
BN-Landesbeauftragten Hubert Weiger lange Zeit belächelt
wurden. Nun, angesichts von BSE und anderen Kalamitäten,
hat Weiger geradezu einen Bewusstseinsschub für regionale
Wirtschaftskreisläufe ausgemacht. Da gilt es, die Gunst der
Stunde zu nutzen: „Mehr denn je ist der Verbraucher gefragt,
der mit seinem Konsumverhalten die Erhaltung von
bäuerlichen Strukturen und der Vielfalt unserer
Kulturlandschaft fördern kann“.
„Wir müssen die Stärken der Region nutzen“, sagt auch Karl
Heinlein vom Eschenbacher Öko-Zentrum Wengleinpark.
„Holz aus der Frankenalb“ ist eines der beispielhaften
Projekte. Die Unterkrumbacher Möbelmacher haben
zusammen mit dem Forstamt und Waldbauern ein Konzept
entwickelt, Holz auch als Brennstoff zu nutzen und errichten
derzeit ein Holz-Musterhaus. Die Verwertung von Streuobst
ist ebenfalls auf fruchtbaren Boden gefallen. Immer mehr
Gastronomen setzen regionale Produkte auf die Speisekarte.
Und als Gegenbewegung zur Fast-food-Mode schickt sich
Hersbruck an, zur ersten „Slow-food-City“ Deutschlands
ausgerufen zu werden. Das Ereignis wird am 18. Mai im
Kreise von vier Bürgermeistern aus Italien, wo die neue
Lebensart überall kultiviert wird, im Rahmen eines
Festdiners
mit regionalen Spezialitäten gebührend gefeiert.
Alle Aktivitäten bündeln
Für Hubert Weiger kommt es darauf an, alle Initiativen im
Hersbrucker Land zu bündeln. Der BN-Sprecher wirbt für
den Aufbau eines Regionalmanagements und die finanzielle
Förderung neuer Nutzungskonzepte. Und: „Wir brauchen
eine neue Partnerschaft zwischen Stadt und Land“.
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| Nürnberger Zeitung vom 15.Mai 2001 von Stephan Sohr
Als erste deutsche Stadt wird Hersbruck in die Vereinigung lebenswerter Städte aufgenommen
Slow City ein
ganz besonderer Titel
Ehrung für Förderung regionaltypischer Traditionen
Bislang zählen nur italienische Städte zum Klub
HERSBRUCK (NZ). „Slow City“ klingt irgendwie nach
„Bonanza“ und „Rauchende Colts“, jedenfalls nicht unbedingt
nach Hersbruck, auch wenn sich das Umland bei Reitern
großer Beliebtheit erfreut. Trotzdem darf sich Hersbruck im
Nürnberger Land ab Freitag „Slow City“ nennen, was
korrekt übersetzt „Langsame Stadt“ heißt, in diesem Fall
aber besser „gemütlich“ oder „lebenswert“ bedeutet. Diese
Attribute müssen auf eine Stadt passen, will sie den Titel
führen.
Verliehen wird er von einer Vereinigung, die sich „Slow
Food“ nennt. 1986 in Italien von Freunden regionaltypischer
Lebensart quasi als Gegenpol zur Fast-Food-Industrie
gegründet, gibt es „Slow Food“ heute in über 35 Län dern,
etwa 60 000 Mitglieder zählt sie weltweit, 3500 in
Deutschland. Freunde der italienischen Küche kennen die
gleichnamigen Gastronomie-Führer. Vor zwei Jahren kamen
Bürgermeister italienischer Städte, in denen „Slow Food“
etabliert ist, auf die Idee, sich zusammenzuschließen zu
„Slow City“, einer „Vereinigung lebenswerter Städte“; die zählt
mittlerweile 33 Mitglieder ausnahmslos in Italien. Und nun
kommt Hersbruck hinzu. Wie das?
Bei „Slow Cities“ wird seit längerem darüber nachgedacht,
auch Städte außerhalb Italiens aufzunehmen. In Deutschland
kümmert sich die in Nürnberg lebende Deutsch-Italienerin
Manuela Sillius darum und da kam sie auf Hersbruck.
Ein privater Bezug zur Stadt hat eine Rolle gespielt, für
die Aufnahme in den Klub der „Slow Cities“ gelten aber andere
Kriterien. Entscheidend für Hersbruck war, dass es
vielfältige Bemühungen gibt, regionaltypische Produkte und Traditionen
zu fördern den Tag der Regionen beispielsweise, der 1998
vom Naturschutzzentrum Wengleinpark (einer Einrichtung des
Bundes Naturschutz) ins Leben gerufen wurde und in diesem
Jahr bundesweit veranstaltet wird; aber auch die mehrfachen
regionalen Wochen in der Gastronomie, die Jahr- und
Wochenmärkte mit regionaltypischen und qualitativ
hochwertigen Erzeugnissen und etliche andere Initiativen.
Pionierarbeit
„Wir sind sehr stolz, dass uns der Titel verliehen wird“,
sagt Johannes Michel vom Hersbrucker Stadtmarketing. Man sei
sich bewusst, dass damit „erhebliche Verantwortung“
verbunden ist, schließlich leiste man als erste deutsche
„Slow City“ Pionierarbeit. Michel erhofft sich einen Schub für die
Stadt und will versuchen, möglichst die gesamte Bürgerschaft
für die Idee, die hinter „Slow City“ steckt, zu begeistern.
„Wir wollen, dass die Menschen das leben“, sagt Manuela
Sillius.
Hersbrucks Bürgermeister Wolfgang Plattmeier wird am
Freitagabend den Titel von Gästen aus dem Heimatland von
„Slow Food“ überreicht bekommen: Erwartet werden „Slow
Cities“-Koordinator Alberto Montebello aus Perugia
(Umbrien), Ottavio Fusco, Bürgermeister von Positano an
der Amalfitanischen Küste, Marco Bagnasco, Kultur- und
Tourismusmanager der Region Levanto und Renzo Scarso,
Vorstand der (für ihren Schinken berühmten) Gemeinde San
Daniele. Küchenchef Hans Peter Eberhard vom „Grünen
Baum“ im Hersbrucker Stadtteil Kühnhofen hat die Ehre, die
Gäste (und viele Bürger) von der Qualität der heimischen
Küche zu überzeugen. Das Menü: Sittenbacher Carpaccio
mit Albkäse und Stangenbrot; Schönberger Spargelsuppe mit
Schnittlauchsahne; Tafelspitz vom Weiderind in
Schwarzrieslingsauce mit Haßlacher Gemüseauswahl und
Kühnhofener Kartoffelplätzchen; Rhabarbermousse auf
Gravensteiner Apfelsauce und Löffelbisquits. „Slow Food“
eben. Stephan Sohr
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| Hersbrucker Zeitung am 5.5.2001 von Johannes Michel
Hersbruck erhält aus Italien den Titel der "Slow City"
Langsam, aber lecker
Gute Esskultur und regionale Kreisläufe haben dazu beigetragen
HERSBRUCK. Das Koordinationskomitee der Slow Cities in Italien teilte der Stadt Hersbruck am vergangenen Mittwoch per Email mit, dass man kurz vor der Benennung Hersbrucks als erste außeritalienische "Slow City Hersbruck" stünde. Die Abstimmung der Details zum Beitritt des Internationalen Netzes der lebenswerten Städte wird nun zusammen mit der Stadt durch ein hochrangiges vierköpfiges Koordinationskomitee abgestimmt, das vom 18. bis 20. Mai Hersbruck besucht.
Die Slow City Bewegung hat derzeit in Italien 33 Mitgliedsstädte. Ziel der Städte ist es, die Lebensqualität der Bürger zu steigern, insbesondere die Bereiche, die Essen und Ernährung betreffen. Unterstützt werden die Slow Cities durch die Slow Food Bewegung, die vereinfacht als Gegenbewegung zur Fast Food Kultur mit all ihren Auswirkungen bezeichnet werden kann und sich die Wahrung des Rechts eines jeden auf guten Geschmack auf die Fahnen geschrieben hat. Die Slow Food Bewegung ist derzeit in 35 Ländern der Welt vertreten und kann mehr als 60.000 Mitglieder, davon mindestens 3.500 in Deutschland, vorweisen.
Die Slow Cities haben ihre Grundsätze und Ziele in einer gemeinsamen Satzung festgeschrieben und sind derzeit augenscheinlich bemüht, ihre Aktivitäten über die Grenzen Italiens hinaus auszuweiten.
Auslöser für die Nominierung Hersbrucks sind die seit einigen Jahren vielfältigen Aktivitäten in Stadt und Region zur Förderung regionaltypischer Produkte, Kulturen und Traditionen. Eine kleine Auswahl des Gesamtspektrums sind die Begründung und Durchführung des Tags der Regionen seit 1998, die mehrfachen regionalen Wochen in der Gastronomie, die Jahr- und Wochenmärkte mit regionaltypischen und qualitätsorientierten Erzeugnissen und die Initiativen aus Bevölkerung, Land- und Forstwirtschaft, Unternehmern und Politik. Diese vielfältigen Entwicklungen haben die bisher ausschließlich in Italien bestehende Vereinigung der "Slow Cities (cittaslow)" auf Hersbruck aufmerksam gemacht.
Nachdem mit der Stadt Hersbruck Anfang dieses Jahres Kontakt aufgenommen wurde (auch durch Vermittlung des Slow Food Conviviums Nürnberg und der Koordinatorin Slow City Deutschland Manuela Sillius), hat nun eine hochrangige Delegation aus Italien ihren Besuch angekündigt.
Kommen werden demnach Alberto Montebello, der Koordinator der Slow Cities, Pietro Ottavio Fusco, der Bürgermeister von Positano, Marco Bagnasco, der Referent für Kultur und Tourismus der Region Levanto und Renzo Scarso, der Vorstand der Gemeinde San Daniele.
Der imageträchtige und werbewirksame Titel kann schon während des Besuchs am Freitag, den 18.Mai offiziell verliehen werden. Die Veranstaltung mit Pressekonferenz ist im Saal des Gasthauses Grüner Baum im Hersbrucker Stadtteil Kühnhofen geplant. Danach findet gegen 20.00 Uhr ein Festdinner statt, bei dem Küchenchef Hans Peter Eberhard ein mehrgängiges, typisch fränkisches Menu serviert, zu dessen Zubereitung auf die regionale Herkunft der Ausgangsprodukte geachtet wurde.
Die Veranstalter legen großen Wert auf die Beteiligung der Öffentlichkeit, so dass ein großes Kontingent an Reservierungen für die Teilnahme am Festdinner bereitgehalten wird. Das Menu kostet 50.- DM zuzüglich der Getränke. Frau Pezold von der Stadtverwaltung Hersbruck nimmt hierzu gerne Vorbestellungen entgegen (Tel. 09151/735 120). Weitere Informationen unter www.die-moebelmacher.de/slow.
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| Herbrucker Zeitung am 7.4.01 von Gerhard Bauer
Flechtkurs bei Möbelmachern zeigte uraltes Handwerk
Ein "lebender" Pavillon
Auch Zäune, Dächer und Lauben lassen sich auf diese Art bauen
HERSBRUCK (geb) Neben Malerei und Kammermusik haben die Unterkrumbacher Werkstatt-Tage mit dem Flecht-Workshop ein Seminar angeboten, bei dem die Teilnehmer in der Pra"is erfuhren, wie ein uraltes Handwerk dazu befähigt, Objekte mit künstlerischem Anspruch zu fertigen.
Flechtmeister Hans Peter Sturm leitete das zweitägige Seminar auf dem Gelände der Unterkrumbacher Schreinerei "DieMöbelmacher". Geschäftsführer Herwig Danzer hatte den "Kunsthandwerker" eingeladen, weil dessen kreatives Arbeiten mit dem Naturmaterial Weide genau zu dem Werkstatt-Konzept passe. Sturms Anliegen ist es, die schöpferischen Möglichkeiten der ursprünglichen Korbmacherei zu einer Flechtkunst weiter zu entwickeln.
Vielfältige Möglichkeiten
Spezialisiert hat sich der an der Fachschule in Lichtenfels ausgebildete Meister auf "lebende" Flechtwerke, Objekte, die wachsen und grünen und damit besonders vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten bieten. Der Künstler hat sich einen Namen erworben durch Lehraufträge an Fachhochschulen und europaweite Ausstellungen. Seit mehreren Jahren leitet er Seminare in Gärtnereien und Blumenschulen.
Die neun Teilnehmer des Wochenendseminars in Unterkrumbach hatten die Aufgabe, einen Gartenpavillon anzufertigen. Das geeignete Material dazu hatte der Seminarleiter aus eigenem Anbau vom Bodensee mitgebracht: "Sali" viminalis," eine Hanfweide, die besonders schnell und gerade wächst. Die bis zu drei Meter langen Ruten wurden an einer Metallkonstruktion gebündelt und eingepflanzt.
Die Zwischenräume füllte ein Weidengeflecht, dessen Enden ebenfalls ins Erdreich gesteckt waren. Damit die Zweige möglichst schnell treiben, müsse kräftig und anhaltend gewässert werden, erläuterte Sturm.
Faszinierendes Schmuckstück
Der Pavillon mit über vier Metern Durchmesser bleibt auf dem Betriebsgelände der Möbelmacher stehen und schon nach kurzer Zeit können Besucher entdecken, dass er wächst und Blätter bekommt. Es entsteht ein lebendiges Flechtwerk, das ein faszinierendes Schmuckstück in jedem Garten sein könnte.
Ähnlich lassen sich Zäune, Dächer und Lauben konstruieren, sagte der Flechtmeister. Zudem gibt es außer den Weiden zahlreiche andere regenerative Naturmaterialien, die sich zum Flechten eignen. Die Kursteilnehmer, meist aus der näheren Umgebung, blickten stolz auf ihre Arbeit und sie werden sich bestimmt bald wieder in Unterkrumbach einfinden, um zu sehen, wie sich ihr Werk, jetzt ohne ihr Zutun, weiterentwickelt.
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Nürnberger Ensemble Kontraste bei Werkstatt-Tagen
Hersbrucker Zeitung am 4. April von Susanne Pflaumer
Bildunterschrift: Ob im Arbeitskittel oder im Anzug: das Ensemble Kontraste fand bei den 4. Unterkrumbacher Werkstatt-Tagen ein aufgeschlossenes Publikum (Foto:H.Danzer).
Es war wieder eine gewagte Mischung aus Handwerk, Malerei, Musik und gesunder Lebensart. Doch das regionale Genießen in jeder Form hat in Unterkrumbach seine Fangemeinde gefunden. Die 4. Werkstatt-Tage dort boten neben einer Scholz-Ausstellung (siehe eigenen Te"t) und einem Flechtkurs (Bericht folgt) zudem Musik, wie man sie auch im Großraum Nürnberg nicht alle Tage hört.
Werkstatt-Chef Herwig Danzer hatte das renomierte "Ensemble Kontraste" aus Nürnberg mit Werken von Schönberg und Webern eingeladen. Anke Trautmann (Flöte), Jessica Hartlieb (Violine), Caroline Hofmann (Viola), Cornelius Boensch (Violoncello) und Markus Bellheim (Klavier) gestalteten den kulturellen Höhepunkt der Unterkrumbacher Werkstatt-Tage. Seit nunmehr zehn Jahren sorgen die Nürnberger Spezialisten in Sachen "neuer" Musik für Spannung in den Konzertsälen. Aus ihren Programmen ergab sich ihr Name - und dieser ist auch Programm geblieben, das Gegensätzliche ist Prinzip.
Dieses Rezept wirkt zuerst und vor allem gegen Langeweile, doch treten mit der Reihung von Werken aus verschiedenen Zeiten, unterschiedlichen Ausmaßes und sehr entfernten Intentionen noch ganz andere Wirkungen auf. Die erstaunlichste ist - so geschehen in Unterkrumbach - dass Mozart gar nicht "alt", sondern erstaunlich neu klingt, Webern und Messiaen dagegen sehr schnell zu scheinbar Vertrauten werden.
Untergründiges im KV
Das ist wohl auf die Qualität der Ausführung, auf den uneingeschränkten musikalischen Ernst zurückzuführen. Ensemble Kontraste begnügt sich nicht mit Mozarts unterhaltsam plätschernder Oberfläche, welche auch den passiven Konsumenten ohne Anstrengung erreicht, sondern geht vom ersten Takt des Flötenquartetts KV 285 an die gar nicht harmlose Tiefe, um das Untergründige, Überzeitliche der Musik zu Tage zu fördern. Solcher Art Ernsthaftigkeit überträgt sich auf die Hörenden, und so waren deren Ohren danach bestens vorbereitet auf das Folgende: Zunächst Anton Weberns drei kleine Stücke op. 11 für Violoncello und Klavier, dann Olivier Messiaens "Le merle noir" für Flöte und Klavier.
Die Überraschung der kaum zu unterbietenden Kürze der Webern'schen Stückchen wurde dadurch gemildert, dass man sie - nach einem verbalen Kommentar - ein zweites Mal zu hören bekam, was das Vergnügen an der spannungsgeladenen Knappheit durchaus steigerte. Leichter war der Einstieg in das Programmstück des ornithologisch bewanderten Komponisten Messiaen: Das Seelenbild der zwitschernden Schwarzdrossel, winziger Ausschnitt göttlicher Schöpfung, war für jedermann nachvollziehbar.
Piano am Lande
Das geplante Schwesterstück, "Le merle bleu" für Klavier solo, fiel leider der unzureichenden Qualität des Leih-Flügels zum Opfer. Ob dessen Besitzer, ein Nürnberger Piano-Haus, seinen besser erhaltenen E"emplaren den Ausflug aufs Land nicht hatte zumuten wollen? Nach der Konzertpause (mit kulinarischen Angeboten aus regionaler Produktion) gab es dann noch das Klaviertrio in G-Dur von Claude Debussy: ein einziger musikalischer Fluss, virtuos und klangsinnlich und geradezu schonungslos engagiert musiziert. Einen nicht unwesentlichen Beitrag zu diesem ästhetischen Frühlingserwachen zwischen rohen Brettern und Bandschleifmaschine leistete der seit Jahren eng mit dem Ensemble verbundene Komponist Klaus Ospald. Mit informativen, oft hintergründig-provokativen Zwischente"ten, Zitaten und persönlichen Bemerkungen bot er, ganz im Sinne des Unterkrumbacher Werkstatt-Konzepts, dasWort als Steigbügel an für die Musik - welche allerdings erst "da beginnt, wo die Worte aufhören".
Am 28. April spielt das Ensemble in der Nürnberger Tafelhalle Werke von Beethoven und Schönberg.
SUSANNEPFLAUMER
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Anna M. Scholz und die "Morphologie"
von Herma Bashir-Hecht
Die Unterkrumbacher Werkstatttage eröffneten diesmal mit der Ausstellung"Morphologie" (Wissenschaft vom Bau der Organismen). Die Werke von Anna M. Scholz sind noch bis Mitte Mai zu sehen.
Geschäftsführer Herwig Danzer freute sich über die seltene Chance, "Werke von so hoher Qualität zeigen zu können". Die feinfühlige Präsentation der E"ponate bewies, dass auch eine Möbelwerkstatt Ausstellungsort sein kann. Die Künstlerin erläuterte ihre Arbeiten selbst. Bei den Radierungen, Bleistift- und Farbstiftzeichnungen geht es ihr vor allem um die archetypische Gestalt von Pflanzen, die sie nicht realistisch, sondern als fiktive Pflanzen in einem bestimmten Bezugsrahmen darstellen wolle. Zu diesem Bezugsrahmen gehören z. B. Insekten als fester Bestandteil pflanzlicher Se"ualität.
Kunstwort Spid
Ihre Intention erörterte Scholz näher anhand des Titels der Radierung "Spid", ein Kunstwort, das unterschiedliche, für das vegetabile Leben relevante Elemente in sich vereint. So steht "Sp" für Sporen, die Keimzellen von Farnen, Algen, Moosen, und "i" für Insekten, vertreten durch ein Libellenpaar im Schwebflug, deren Kopulationsfigur die Pflanzengestalt überlagert, meint "d" Datenverarbeitung als Hinweis auf den seine Umwelt, also auch die Pflanzen verwaltenden und verwertenden Menschen. Seine Spuren finden sich auf den meisten der ausgestellten Blätter - z. B. als Zahlen, Buchstaben, Kinderzeichnungen, Te"te, Symbole, Lochkarten. Der Hinweis auf die Präsenz des Menschen schließt eine kritische Komponente ein, insofern der wissenschaftliche Geist des "homo sapiens" darauf zielt, andere Lebewesen den eigenen Zwecken entsprechend zu nutzen, zu verletzen oder gar zu vernichten, und damit auch seine eigene E"istenz gefährdet, ist er doch auf eine lebensfähige Umwelt angewiesen, die - umgekehrt - auf ihn verzichten könnte.
Diese Warnung kommt von einer im doppelten Sinn Berufenen, ist Anna M. Scholz doch auch Wissenschaftlerin und absolvierte ein Pharmazie-Studium. Die Thematik ihrer Dissertation über die Lichtphysiologie der Pflanzen beeinflusste ihre Bildwelt weitgehend. So gehen Bleistiftzeichnungen, die das Empordrängen von Keimlingen aus engsten Spalten zum Licht darstellen, auf E"perimente zurück, die sie im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Arbeit durchführte, die Radierungen zum Thema "Gewächse" wiederum auf das Interesse der Künstlerin für das Wachstum und die Vermehrung von Pflanzen.
Demgegenüber entstanden die Seveso-Blätter aus ihrer Sorge um die Umwelt; die symbiotische Vernetzung der bedrohten Flora und Fauna drückt sich in der Bildfindung der klagenden "Vogelpflanze" aus. Die Künstlerin wird nicht müde, das Bewusstsein der Zeitgenossen in immer neuen Varianten für die Schönheit des Lebendigen zu schärfen. Stets schließt sie auch das ein, was wir mit unseren
Sinnen nicht wahrnehmen können und auf das sie in Form von verschiedenartigen Strukturen, Mustern und Graphismen als auf Korpuskeln und kleinste Teilchen aufmerksam macht, von denen unsere sichtbare Welt wie von einer anderen Realität durchdrungen ist.
Satte Farben
Die handwerklich perfekten Arbeiten zeigen innovative Kraft, souveräne Bildkomposition und Gespür für das Kolorit. So überzeugen die satten Farbklänge einer Reihe von Radierungen ebenso wie die lichte Zartheit der Farbstiftzeichnungen. Auffallend an den Kompositionen ist die Betonung der Mitte, was sich teilweise auch aus der hierarchisch aufgebauten Urgestalt der Pflanze ergibt, deren aufsteigende Stängel eine Art Symmetrieachse bilden. Die Künstlerin versteht es, diese Mitte wie suchend zu umspielen - aus dem Wunsch
heraus, dem gefährdeten Gleichgewicht zwischen Mensch und Umwelt entgegenzuwirken.
HERMA BASHIR-HECHT
Bis Mitte Mai in den Räumen der "Möbelmacher" in Unterkrumbach, Infos: Tel. 09151/862999, www.die-moebelmacher.de.
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Rezension zur Aufführung "Acis und Galatea"
im Markgrafensaal Hohenstadt am 17. März 2001
von Matthias Stadelmann
Eigentlich ist die Story ganz einfach: Acis liebt Galatea, Polifem tut dies auch, Galatea entscheidet sich für Acis und gibt Polifem einen Korb, woraufhin dieser seinen Rivalen umbringt. Galatea verewigt daraufhin ihren toten Geliebten, indem sie ihn in eine Quelle verwandelt. Zu einfach, mögen sich da Hohenstadts rührige Kulturorganisatorin Susanne Pflaumer und der von ihr engagierte Regisseur Andreas Stock gedacht haben, zu einfach und in der mythologischen Abstraktion zu antiquiert. So ergänzte man für die derzeit im Hohenstädter Markgrafensaal laufende Oper "Acis und Galatea" mit Musik von Georg Friedrich Händel das aus Ovids Metamorphosen entnommene Sujet mit aktuellen Bezügen und verdichtete es durch retrospektive Brechungen sowie einer Projektion der Handlung mittels eines Theater-im-Theater-Effektes.
Es ist in der Tat eine "Hohenstädter Fassung" von "Acis und Galatea" (schlichte, nur symbolisch gräzisierende, sonst mehr fränkisch-konkrete Bühnenbilder von Walter Plank), die am 17. März ihre Premiere erlebte. Die Handlung spielt in der Jetztzeit, im "Marktflecken H.". Acis ist Süleyman Acis, ein junger türkischer Architekt aus der Großstadt, der mit dem Bau einer neuen Gemeindehalle in H. beauftragt wird. Über seinen Freund Silvio (einen altphilologischen Gymnasiallehrer) lernt er Galatea, Inhaberin eines Blumenladens in H., kennen und verliebt sich in sie. Auch Galatea findet Acis mehr als sympathisch, rasch kommen sich die beiden näher. Zu nahe, findet Polifem, türkenhassender Gemeinderat und von Beruf Musiklehrer, der die geplante Aufführung der Oper "Acis und Galatea" (Theater im Theater) in der neuen Halle einstudiert, zumal er selbst längst ein begehrliches Auge auf die schöne Galatee geworfen hat. Ihm helfen jedoch weder Werben noch Wutausbrüche, seine Angebetete sucht und findet ihr Glück mit dem ausländischen Nebenbuhler. Das Glück bleibt jedoch nur von kurzer Dauer, denn trotz etlicher Beschwichtigungsversuche seiner Cousine Eurilla (Kindergärtnerin in H.) ist Polifem entschlossen, Acis zu beseitigen. An dem schönen Abend, als die Bevölkerung von H. die Fertigstellung der Gemeindehalle mit einem Festakt feiert, erschlagen von Polifem gedungene Mörder den Architekten Acis. Galatea bleibt nur die Erinnerung in ihrem Herzen und die nach Acis benannte Gemeindehalle.
Was in der Beschreibung banalisierend aufgesetzt wirken mag, entfaltet in der szenischen Darbietung von Susanne Pflaumers Team fesselnde dramaturgische Reize. Der Handlungsverlauf von Andreas Stocks Neufassung ist schlüssig und klar konstruiert, die Charaktere der Personen einprägsam festgelegt, Zweideutigkeiten bleiben den Zuschauern weitgehend erspart, das schafft Stringenz und ermöglicht leichte Identifizierungen. Acis ist jung, sympathisch, gutaussehend, abgestuft unkonventionell, ein wenig erhaben über die Dorfbevölkerung und ihr doch herzlich verbunden. Galatea teilt die ersten drei Charakteristiken ihres Geliebten, besitzt Charme, versteht zu bezaubern. Polifem dagegen ist steif, ältlich, dazu voller Giftigkeit, verbohrt in sein Ziel, dass Galatea nur ihm gehören dürfe, zur charakterlichen Defizienz gesellt sich die äußerliche, der aktualisierte Zyklop aus der griechischen Mythologie ist durch den Verlust eines Auges entstellt und nicht sehr gut zu Fuß. Die restlichen dramatis personae ergänzen auf angemessene Weise die Dreiecksgeschichte: der Altphilologe Silvio als seriös-aufrichtiger Freund, seine Frau Eurilla als bef-lissen-gutmeinende Friedensvermittlerin, die Bürgermeisterin Cloris als recht geschäftige Busenfreundin Galateas.
Zusätzliche Identifikationsangebote erhält das Publikum durch die individuelle Kon-kretisierung der Chormitglieder, die nicht etwa nur eine anonyme Masse bilden wollen, sondern als Einzelpersönlichkeiten in Erscheinung treten. Freilich geschieht die Bewusst-machung dieser Individualität vor allem durch die einfallsreichen Bemerkungen zu den einzelnen Figuren (etwa: Marguerita von Praetorius, egangierte Gemeinderätin in H. mit türkischer Schwiegertochter Aishe) im sehr schön gestalteten Programmheft. Auf der Bühne dagegen bleiben die Chorsänger - von äußerlichen Unterscheidungsmerkmalen abgesehen - doch "nur" ein Kollektiv, was aber nicht der Regie anzukreiden ist, da es schlicht strukturelle Gründe hat: Ein Chor hat im Drama vor allem überindividuelle Funktionen. Dennoch bemühte sich Regisseur Andreas Stock mit Erfolg um eine differenzierte, ja lückenlose Personenregie bei allen Mitwirkenden, Leerpausen oder pure Statisterie gab es nicht, alle befanden sich in durchdachter permanenter Aktion.
Die Verlegung der Handlung ins heutige "H." bot über die Personenkonkretisierung hinaus noch weitere sinnstiftende Optionen, die mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln genutzt wurden. Sie gab Gelegenheit, den Bau jenes Saales nochmals zu zelebrieren, in dem die Aufführung überhaupt stattfand: Die Einweihung des von Acis im Stück geplanten Baus wurde von Bildprojektionen aus der Entstehungsgeschichte des (tatsächlichen) Ho-henstädter Markgrafensaales bereichert, ein hintergründiger, sicher berechtigter Stolz klang da mit. Doch nicht nur Freudenvolles beschert die Gegenwart - und gerade darauf wollte die aktualisierte Version von "Acis und Galatea" auch eingehen. Das Thema der Auslän-derfeindlichkeit beherrschte als über der Handlung stehender roter Faden die Aufführung. Denn Acis Mörder sind nicht irgendwelche Kriminellen, es sind rechtsradikale Schläger mit SS-Symbol auf der Jacke; Polifem hasst nicht nur seinen Rivalen, sondern in ihm auch den Türken (so wie er bei einer Chorprobe auch die türkische Sängerin ausgrenzt); die Feier der neuen Gemeindehalle gerät zur Demonstration gegen "braune Gewalt" und gibt somit am Ende der Aufführung zugleich ein Plädoyer ab, wie sich die Gesellschaft dem Phänomen Rechtsradikalismus entgegenstellen soll.
Aktualität und Dringlichkeit des Themas stehen außer Zweifel, dennoch bleiben Fragen. Die entscheidendste: Ist der Mord an dem türkischen Architekten Acis (Warum türkisch? Richtet sich die heutige rechtsradikale Gewalt vor allem gegen Türken?) in Stocks Konzeption tatsächlich ein ausländerfeindlicher Akt? Oder wurde uns nicht doch die tagespolitisch nur verbrämte Folge des persönlichen Ausrastens einer kranken Psyche vorgeführt? Schließlich hat Polifems Ausländerfeindlichkeit keinerlei ideologischen, sondern einen rein persönlichen Grund: Bei einem Unfall, an dem junge Ausländer beteiligt waren, hatte er sein Auge verloren. Auch spielt Polifem seine Rolle so, dass man annehmen möchte, die Nationalität des Nebenbuhlers sei sekundär. Allzu funktionalistisch bedient man sich der Neonazi-Schläger, die sonst im Stück keine Bedeutung mehr haben. Dass der bieder-verknöcherte Polifem sich mit solchen Typen einlässt, ihnen einen Mordauftrag erteilt, kommt nach seinem Verhalten - trotz aller Vorbehalte gegen Ausländer - eher aus heiterem Himmel.
Polifem hat weder Mentalität noch Aussehen eines Skinheads, er ist durch und durch korrekt "bürgerlich" (während sein Rivale die elegant-moderne Unkonventionalität pflegt, mit langen, zusammengebundenen Haaren und über die Hose hängendem Hemd), dazu etwas spießig, verklemmt, selbst im Wutausbruch noch verhalten, eine geballte Faust, verbissene Mimik, viel mehr ist da nicht. Bezeichnenderweise benötigt er zum Ausrasten einen Gehstock, der ihn stützt; bevor er Galateas Blumenladen ansatzweise demoliert, scheint er zu überlegen, ob ihm ein solcher Akt überhaupt zusteht - kurz: Ein entschlossener, fanatischer Protagonist braunen Umsturzes ist es nicht, der uns da vorgeführt wird, sein hämisches Lachen, als er am Ende von Polizisten abgeführt wird, wirkt denn auch recht aufgesetzt. Es ist eine verzweifelte Seele in einem entstellten Körper, die mit der Ein-sicht, dass ihr das Lebensglück versagt bleibt, nicht fertig wird. Vielleicht ist das Thema des Rechtsradikalismus dann doch zu groß und zu ernst, um es der persönlichen Tragödie des ausgebooteten Musiklehrers aus Aktualitätsgründen mal eben so aufzukleben. Sicher ließen sich Überlegungen anstellen, ob Stocks Inszenierung die berechtigte große Debatte über die Affinität von deutscher Bürgerlichkeit und Nationalsozialismus aufgreifen will, ein solches Unterfangen freilich würde über die Hohenstädter Neufassung von Acis und Galatea hinausgreifen, die allerdings trotz solcher kleinerer Unschlüssigkeiten ein höchst bemerkenswertes Ereignis darstellt.
Bemerkenswert ist schon die Tatsache, dass es sich um eine szenische Erstaufführung von Händels Material zu "Acis und Galatea" handelt. Wie der Komponist zur Genüge selbst, verfuhr auch der Sänger und Händel-E"perte Artie Heinrich nach dem "Baukasten-prinzip" und stellte aus den verschiedenen Überlieferungen, die der Komponist zum Thema hinterlassen hat, eine - weitgehend rezitativfreie - Version für die Hohenstädter Aufführung zusammen. Bemerkenswert ist die Energie, die für dieses Opernprojekt von den vielen, vielen Beteiligten (deren aller Namen zu nennen den Rahmen sprengen würde) auf-gebracht wurde. Bemerkenswert ist der - von vielen Zuschauern belohnte - Mut, eine "Oper auf dem Dorfe" aufzuführen, (obgleich man das Publikum auch in der Provinz nicht unterschätzen sollte, die frankonisierenden Erläuterungen zum Stück waren mehr als entbehrlich, zumal das Programmheft bereits die Statik der Originalte"te zu veranschaulichen half).
Bemerkenswert waren aber vor allem die Leistungen der Mitwirkenden, die das große Unternehmen in jeder Hinsicht rechtfertigten. Stefanie Mackrodt-Rüdell sang und spielte sich mit jugendlichem Charme, musikalischer Verve und schauspielerischem Talent in den Mittelpunkt der Aufführung. Die stimmtechnische Brillanz ihres hell leuchtenden Soprans zog das Publikum ebenso in den Bann wie ihre nuancen- und empfindungsreiche Darstellung der Galatea. Artie Heinrich, der neben seiner musikeditorischen Funktion auch die Rolle des Acis überzeugend wahrnahm, verfügt über einen gepflegten Countertenor, der freilich wenig in das Stimmgefüge der Aufführung passte, zumal er auch Mühe hatte, sich gegen das Orchester durchzusetzen. Hier tat sich eine Kluft auf zwischen historisierender Stimmgattung und aktualisierender Inszenierung, die sich bei aller Mühe nicht schließen ließ: Bei der Figur eines jungen erfolgreichen Architekten im Dorf H. des Jahres 2001, der noch dazu die zentrale Liebhabergestalt auf der Bühne ist, sorgt die Countertenorstimme bisweilen für unfreiwillige Komik (anders wäre es in einer strikt historisch angelegten Händel-Aufführung).
Wolfgang Pöhner (Bass) gab - das wurde bereits deutlich - einen in seiner Komple"ität eindrucksvollen Polifem, Hubert Ruppert (Tenor) gefiel mit Solidität und Routine als stilisiert verstaubter Silvio mit dem rechten Gespür für Händels fließende Melismatik. Birgit Rösch (Sopran, Eurilla) schienen die englischen und italienischen Arien um ein Vielfaches mehr zu liegen als die (gesprochenen) deutschen Erläuterungste"te, ebenso wie Stefanie Mackrodt gelang es ihr, durch hohe musikalische Gestaltungskultur die gelegentliche Länge der Händelschen Arien vergessen zu machen. Yvonne Thamms Cloris (Sopran) überwand dank technischer Sicherheit und kultivierter Artikulation eine anfängliche Behäbigkeit und steigerte sich zu einer ihrer Freundin Galatea ebenbürtigen, warm timbrierten Partnerin. Gut in Form präsentierte sich auch der kleine Chor, der - trotz aller dramaturgischer Individualisierungsbemühungen - im vollstimmigen Kollektiv seine starken Seiten hatte.
Das Collegium Musicum erwies sich - ebenfalls in einer dem Werk angemessenen kleinen Besetzung - als ein gutes begleitendes Ensemble, mit bekannten kleineren intonatorischen Problemen der Streicher, artikulatorisch flüssigen, aber etwas egoistischen Oboen, einer guten Flötistin und einem beeindruckend zuverlässigen Generalbass mit dem Cellisten Ulf Geer und Tobias Knaup, der den Bass in Cembalistentradition selbst bezifferte. Sein kraftvoll ruhiges Spiel drückte dem Ensembleklang ebenso seinen Stempel auf wie sein feiner Erfindungsreichtum. Susanne Pflaumer bewies am Dirigentenpult gewohnte Sicherheit und zupackende Energie. Gut gelang es ihr, durch dynamisch-agogische Gestaltung das per se zum Teil recht indifferente Händelsche musikalische Material den unterschiedlichen dramaturgischen Situationen auf der Bühne anzupassen. Dabei fiel auf, dass offensichtlich auch das Collegium Musicum, obwohl kein Originalklangensemble, von jener heute die "Barockmusik" beherrschenden Aufführungspra"is nicht unbeeinflusst geblieben ist. Der Klang ist straffer, kürzer, trockener, präziser geworden, was insbesondere bei der Begleitung der Solonummern aufhorchen ließ, während bei den Chorpartien eher ein breit fließender Orchesterklang für das angemessene Gegengewicht zur sängerischen Vollstimmigkeit sorgte. Auch sonst hat Susanne Pflaumer die musikalische Ausgestaltung sorgsam durchdacht, die Abstimmung mit und auf der Bühne lief gut, die im Orchester meistens auch, das Gesamtergebnis konnte sich in jeder Hinsicht hören und sehen lassen. Die Zuschauer dankten mit ovationsähnlichem Beifall, der Rezensent empfiehlt die noch folgenden Aufführungen am 24. und 25. März mit Nachdruck.
Matthias Stadelmann
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| Landkreistreff vom März 2001, Regionalentwicklung: Interview mit Rainer Wölfel von Michael Scholz
Wir brauchen mehr Pioniere
Heimische Produkte sind gefragter denn je. Aber was bietet die Region momentan tatsächlich und wie kann ihr Potenzial genutzt werden? TREFF sprach mit Rainer Wölfel von der IBN (Informations- und Bildungsstelle für Naturschutz und regionales Wirtschaften) Hersbruck über seine Arbeit. Hinter der einzigen Regionalinitiative im Nürnberger Land steht die Ortsgruppe des Bund Naturschutz Hersbruck.
?Neue Wege gehen war das Motto beim Tag der Regionen in Hersbruck. Wieso ist eine Neuorientierung notwendig?
!Unsere neuen Wege richten sich aus nach Umweltbildung, Naturschutz und Regionalentwicklung. Dafür suchen wir neue Ansatzpunkte. Es geht nicht darum, die Landschaft zu konservieren, sondern sie umweltgerecht weiterzuentwickeln. Die Fleischskandale haben ja gezeigt, dass sich die Landwirtschaft neu orientieren muss, dass neue Wege erforderlich sind. Das gilt aber auch für andere Bereiche, zusammen mit Handwerkern zeigen wir ebenfalls neue Wege auf.
?Wie gehen Sie dabei vor?
!Das funktioniert nur über die Menschen, die in der Region agieren. Wir versuchen, sie zu motivieren und mit ihnen ein gemeinsames Ziel zu erarbeiten. Die Veränderung muss in den Köpfen der Menschen passieren. Wir arbeiten mit den Menschen zusammen und zeigen ihnen, dass dabei auch etwas herauskommt.
?Was haben Sie denn bereits auf die Beine gestellt?
!Wir haben ökologisch und konventionell wirtschaftende Bauern, die direkt vermarkten, in einer Arbeitsgruppe zusammengebracht. Wir haben eine Streuobstinitiative gegründet, arbeiten beim Initiativkreis Holz mit und sind gerade dabei eine Wirtegemeinschaft aufzubauen. Als Podium für diese Arbeitskreise führen wir seit 1998 regionale Aktionstage durch. Wir werben gemeinsam für eine umweltfreundliche, regionale Produktion. Leitmotiv ist eine Entwicklung von unten, gemeinsam mit Bürgern und Produzenten.
?Wie groß ist die Nachfrage der Verbraucher bei Regionalkost?
!Bereits vor BSE hat sie stark zugenommen. Das hat viel mit Öffentlichkeitsarbeit zu tun. Dabei geht es ja auch darum, das Bewusstsein der Bevölkerung für das Angebot zu schärfen.
?Muss es nach den Fleischskandalen unbedingt „bio“ sein?
!Die Biobetriebe haben klare Produktionskriterien und lassen sich regelmäßig kontrollieren. Eine relativ große Sicherheit ist bei geschlossenen Betriebskreisläufen zu erwarten. Der Vorteil der Regionalprodukte liegt vor allem darin, dass der Verbraucher den Bauern und seinen Betrieb kennt. Dadurch besteht direkter Bezug zum Produkt. Er kann am Marktstand nach Futter und Haltung der Tiere fragen und den Landwirt auf seinem Hof besuchen.
?Reichen Qualität und Vielfalt regionaler Produkte aus?
!Auch hier gilt natürlich, dass sich auf dem Markt durchsetzt, was gute Qualität hat. Eine Vielfalt haben wir bei Wurst, Käse und generell bei den Tierarten, bis auf Geflügel. Auch Gemüsebauern gibt es noch zu wenig.
?Wie steht es mit den anderen Projekten? Seit Herbst gibt es heimischen Apfelsaft...
!Das ist das erste Produkt der Streuobstinitiative Hersbrucker Alb, die wir angeregt haben. Der Biosaft kommt gut an. Wir vertreiben ihn über die Mitglieder, einen Hersbrucker Getränkehändler und in Gasthäusern. Vor allem bei den Ökokontrollen hat die Interessengemeinschaft Vorteile, weil der Inspekteur an einem Tag alle Bestände abfahren kann das kommt einfach billiger. Gefragt ist auch unsere mobile Presse, die sich jeder Obstbaumbesitzer für seinen eigenen Saft mieten kann.
?Durch herwig Danzers (Schreinerei Die Möbelmacher) regionales Musterhaus in Unterkrumbach ist gerade wieder der Initiativkreis Holz in den Blickpunkt gerückt.
!Das ist zur Zeit ein ganz wichtiges Projekt. Daran arbeiten ausschließlich Handwerker und Architekten aus der Region und verwenden dazu heimisches Kiefern- und Lärchenholz. Vor allem geht es darum, zu zeigen, dass Häuser mit diesen Holzarten sehr attraktiv und individuell gestaltet werden können.
?Welches Hauptziel verfolgt der Initiativkreis?
!Wir möchten fördern, dass mehr heimisches Holz als Heiz- und als Baumaterial genutzt wird. In unserem kleinen E"pertenkreis machen wir vor allem Basisarbeit: Zur Zeit entsteht zum Beispiel ein Qualitätssiegel für Holz aus der Region. Wir arbeiten auch an einem Holz-Liefersystem für Privathaushalte. Eine Idee ist, einen Biomasse-Hof einzurichten. Dort wird Holz gelagert, minderwertiges Material verfeuert und mit der Abwärme möchten wir Pellets herstellen. Das sind gepresste Holzspäne, die als ernsthafte Alternative für Öl und Gas gelten.
?Auch die Gastronomie profitiert von Ihrer Regionalinitiative.
!Die regionalen Wochen im Herbst in Hersbruck sind recht gut angenommen worden. Einige Wirte haben erste Kontakte zu heimischen Landwirten geknüpft und auch die Nachfrage war recht gut. Wir möchten eine Wirtegemeinschaft erreichen, die ein regionales Gericht pro Woche oder Monat anbietet. In der Rhön zum Beispiel gibt es bereits zwei solche Gruppen, die auch Erfolg haben. Jetzt im März veranstalten wir wieder eine regionale Woche von 9. bis 18. März und auch zum Tag der Regionen an Erntedank ist wieder eine geplant.
?Was haben Sie als nächstes vor?
!Wir möchten mit einer Hutangervermarktung anfangen und so einen direkten Zusammenhang von Produkt und Landschaft herstellen. Die alten Weideflächen sind eine der wertvollsten Landschaftsbestandteile der Alb und zählen zu den kulturlandschaftlichen Höhepunkten Bayerns. Unsere Arbeit ist aber nur ein Zusatzaspekt des Projektes Hutanger, das der Bund Naturschutz seit 1984 vorantreibt. Er pflegt die Flächen, dokumentierte den Bestand und startete vor zwei Jahren einen ersten Wiederbeweidungsversuch.
?Was müssen sie in der Region noch verstärkt anpacken?
!Wir müssen noch viel mehr Weiterverarbeiter wie Bäcker, Metzger, Wirte und auch Einzelhändler mit einbinden. Auch im Tourismus schlummert viel Potenzial. Im Prinzip bräuchten wir in jeder Branche einen Pionier, der als Vorreiter in die Bresche springt wie herwig Danzer. Hätten wir mehr Weiterverarbeiter, dann könnten wir auch mehr Bauern für unsere Idee begeistern.
Interview: MICHAEL SCHOLZ
Kontakt:
IBN Hersbruck (Naturschutzzentrum Wengleinpark), Tel. 09151/70200, Fa" 09151/70290
Forstbetriebsgemeinschaft Nürnberger Land, Tel. 09151/822350
Die Möbelmacher, herwig Danzer, Tel. 09151/862999
Streuobstinitiative Hersbrucker Alb, Ottmar Fischer, Tel. 09154/8699
Die mobilen Obstpresser, Josef Maier, Tel. 09154/4236
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Wohnbeilage der HZ von herwig Danzer, Pressesprecher der Schreinerinnung Nürnberger Land
Schöner Wohnen im neuen Jahrtausend
Die Besucherzahlen der Kölner Möbelmesse zeigen, welch hoher Stellenwert der Einrichtung in Deutschland beigemessen wird. Nicht zuletzt durch die BSE-Diskussion, denken aber immer mehr Menschen auch darüber nach, welche Materialien man sich bedenkenlos in die Wohnung stellen kann, und bei welchen Stoffen eher Vorsicht geboten ist. Gleichzeitig zeigt die große Resonanz des Tags der Regionen, der 1998 in Unterkrumbach begann und der nach den bayernweiten Aktionen der letzten beiden Jahre jetzt auch für ganz Deutschland geplant ist, dass viele Menschen lieber die regionalen Wirtschaftskreisläufe unterstützen, als ihr Geld zu den Großvermarktern auf der grünen Wiese zu tragen.
Die heimischen Handwerksbetriebe und Möbelhäuser belohnen diese Einstellung mit individuellem Service und solider Qualität zu fairen Preisen. So haben neueste Untersuchungen bei bayerischen Möbelkunden e"trem hohe Werte bei der Zufriedenheit mit Schreinerarbeit gezeigt. Aber auch kleinere familiengeführten Möbelhäuser verfügen über eine zufriedene Stammkundschaft.
Schlafzimmer
Besonders im Schlafzimmer sollte auf gesundes Wohnklima geachtet werden. Für die Möbel ist natürlich geöltes Massivholz erste Wahl, für die Böden bietet sich neben Holz auch Linoleum oder Kork an. Einen guten Start am Morgen ermöglicht das individuell anpassbare Bettsystem, dass heute immer mehr die klassische Kombination aus Lattenrost und Matratze verdrängt. War früher das Naturmaterial für einen Kauf entscheidend, so werden heute immer mehr ergonomische Gründe dafür angeführt. Denn optimales Liegen führt zu erholsamen Schlaf und weniger Rückenbeschwerden. Auch bei der Fenstergestaltung sollte auf die Verwendung von Naturmaterialien geachtet werden, auch wenn diese heute den Müsli-Ruf abgestreift haben, wie das bei den Massivholzmöbeln schön länger der Fall ist. Flächenvorhänge oder Paneelanlagen sind der neueste Trend, bei dem die Stoffe nicht zum Vorhang gefaltet, sondern als ganze Fläche verschoben werden. Werden bei einfarbigen hellen Stoffen noch Holzlamellen aufgeklebt, ergibt sich eine Anleihe an japanische Stilvorbilder.
Wohnzimmer
Stilistisch finden wir voller Erstaunen Elemente der 50er Jahre wieder. Dünne hohe Füßchen erinnern in den Prospekten an die Sideboards und Fernsehschränke der Nierentischzeit. Doch die meisten Kunden sind froh, dass die Möbelbranche, anders als die Mode, keine Diktate kennt. Denn jeder kann selbst entscheiden, was ihm gefällt und aus einer breiten Modellpalette auswählen, deren größte Vielfalt allerdings der Schreiner in Einzelanfertigung verwirklichen kann.
Bei den Polstermöbeln hält der Trend zum Leder an. Das liegt an der Tatsache, dass die Lebensdauer einer hochwertigen Polsterung von Stoffen nicht erreicht wird und ein Neubeziehen wegen des hohen Arbeitsaufwands außer bei Antiquitäten wenig lohnend erscheint. Aber Leder ist nicht gleich Leder! Während bei den meisten Lederarten eine Beschichtung aus Polyurethan für Pflegeleichtigkeit sorgt, wählt der Kenner naturbelassene Lederarten. Die sind zwar fleckempfindlich, dafür aber wesentlich anschmiegsamer und wärmer als die lackierten. Wem dieser Sitzkomfort immer noch nicht genügt, verbindet in geschliffenem Nubukleder den Griff eines festen Stoffes mit der Langlebigkeit von Leder. Die Nachfrage nach Eckgarnituren ist ungebrochen auch wenn der Einrichter wesentlich schönere und funktionalere Räume mit Einzelsofas und Sesseln gestalten kann.
Das Jahr 2001 bringt endlich wieder Farbe in Leder und Te"tilien, hatte man auf den Messen der letzten Jahre doch wirklich den Eindruck, dass als Alternative zum poppigen Mausgrau und Stützstrumpfbeige nur noch nicht näher zu beschreibendes Braun bleibt.
Der Beleuchtung eines Raumes wird eine immer größere Bedeutung beigemessen, haben doch viele selbst bemerkt, dass das Niedervolt-Halogen-Seilsystem nur in Ausnahmefällen einen Raum angenehm beleuchtet. Meistens erzeugt es nämlich nur ein paar zu helle Lichtpunkte, die den Rest des Raumes in noch größeres Dunkel tauchen. Steh- Wand- und Deckenleuchten aber durchaus auch gekonnt eingesetzte Halogensysteme können zusätzlich zur angenehmen Grundbeleuchtung attraktive Akzente setzen. Ein Einrichter mit Beleuchtungserfahrung kann die Lichtstimmung des Wohnzimmers nach den Wünschen der Kunden steuern. Eine falsche Beleuchtung dagegen, lässt den schönsten Raum alt aussehen.
Küche
Das Kochfeld in der Küchenmitte wird immer beliebter. Sicher sind dafür nicht zuletzt die vielen Kochshows im Fernsehen verantwortlich, denn zuhause ist die kameratauglichkeit einer Küche eher unwichtig. Trotzdem bieten viele Hersteller und natürlich auch spezialisierte Schreiner sogenannte Werkbanklösungen an, die sich ganz nach Kundenwunsch mit Geräten und Spülen beschicken lassen. Dass Massivholz auch in der Küche aller Anforderungen gerecht wird, zeigte die offizielle Möbelmacher-Original-Regional-Küche, die am Consumentastand des Bayerischen Rundfunks 18 Fernseh-Kochshows der besten mittelfränkischen Köche über sich ergehen lassen musste. Dabei war das sensible Arbeiten eines Peter Bauer samt seiner Tochter eher die Ausnahme, die meisten Profis kochten auf Holz wie auf ihren gewohnten Edelstahlplatten. Der Buchenplatte aus der Hersbrucker Alb sah man das nicht an.
Die angenehmste Entwicklung bei den Küchengeräten ist das Induktionskochfeld. Da die Wärme über eine Induktionsspule direkt im Topfboden erzeugt wird, handelt es sich hier um die schnellste, sparsamste und sicherste Kochtechnik. Doppelt so schnell wie Gas aber genauso reaktionsschnell überzeugte dieses Kochfeld sogar die eingefleischten Gasfans des Showkochens auf der Consumenta.
Badezimmer
Mit der Feuchtigkeit im Bad hat geöltes Massivholz - bei entsprechender Verarbeitung - überhaupt keine Schwierigkeiten. Denn offenporig behandeltes Holz kann Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben, während bei geschlossenporiger Oberfläche der Lack schnell ab ist. Das funktioniert sogar bei der Badewanne aus Holz, die übrigens kein Designgag ist, sondern eine Wohltat für Genießer. Das Holz hält das Wasser ein ganzes Buch- oder eine Symphonielang heiß. Gleichzeitig fühlt es sich auch den Stellen warm an, die, wie zum Beispiel der Schulterbereich, nicht mit Wasser in Berührung kommen.
Eine andere ungewöhnliche Anwendung für Holz sind Jalousien. Wie keine andere Technik, kann die Jalousie Licht- und Blickeinfall individuell regeln. Sogar Rausschauen, obwohl andere nicht reinschauen können ist einstellbar. Die Holzjalousie verbindet also genial die Funktion der normalen Alujalousie mit der Wohnlichkeit des Holzes.
Bei den Armaturen gibt es wie in vielen Bereichen gegenläufige Trends: auf der einen Seite eine Verspieltheit, die vor allem zum Landhausstil passt, auf der anderen Seite die Reduktion auf das Wesentliche, was zum Beispiel die Designklassiker von Arne Jacobsen seit 1969 unter dem Markennamen Vola repräsentieren.
Fazit
Einrichten 2001 bedeutet vor allem ein Bekenntnis zur Individualität. Der eigene Geschmack, die Funktion und die Langlebigkeit zählt. Denn auf Dauer ist die Einrichtung am günstigsten, die lange gefällt und hält. Wenn zusätzlich das Holz und die Handwerker aus der Region kommen, hat man neben der Qualität und den richtigen Service.
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Landkreistreff Ausgabe Januar/Februar 2001
von Michael Scholz
Wohnhaus aus heimischem Fichtenholz
Das Baumaterial wächst vor der Haustür
Ein Unterkrumbacher baut sich ein Wohnhaus aus Fichten- und Lärchenholz. Die Stämme dafür wuchsen fast in Sichtweite, auf dem bewaldeten Hansgörgl... Das hört sich an wie die selbstverständlichste Sache der Welt: Holzhäuser sind längst kein ungewöhnlicher Anblick mehr und Bäume gibt es im Nürnberger Land auf 40 000 Hektar genug. Dennoch setzen Bauherren im Landkreis momentan fast ausschließlich auf skandinavisches Material.
Das müsste laut dem Initiativkreis Holz aus der Frankenalb keineswegs so sein. Der engagierten Gruppe gehören neben Herwig Danzer, Chef der Schreinerei „Die Möbelmacher“, unter anderem auch die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Nürnberger Land, das Forstamt Hersbruck, die Energieagentur ENA und das Naturschutzzentrum Wengleinpark an. Rund 200 000 Kubikmeter Holz könnten Forstarbeiter jährlich in der Frankenalb schlagen, schätzen die E"perten.
Damit werde kein Rohstoff verschwendet, sagt Hersbrucks Forstdirektor Dieter Rosenbauer. Der Vorrat sei groß genug. Wird er überlegt genutzt, wäre das ein Beitrag zum Klimaschutz. Immerhin binde Holz als Baumaterial langfristig Kohlendio"id. Verrottende Bäume dagegen geben das Treibhausgas gleich wieder ab.
Damit auch die Qualität stimmt, könne die FBG von vorneherein eine Auswahl treffen, schlägt Danzer vor. Das Problem ist aber, dass seit 50 Jahren immer weniger Holz genutzt wird. Viele Waldbesitzer haben verlernt, ihr Produkt zu vermarkten. Damit sich neue Strukturen bilden können, ist eine gewisse Nachfrage notwendig. Denn ohne vorzeigbare Projekte ist das Interesse an Bauholz nur schwer zu wecken. Darum möchten die Initiative und der „Möbelmacher“ jetzt mit dem ersten Wohnhaus aus heimischem Holz ein Zeichen setzen.
Start ist in diesem Frühjahr. Dann betonieren Bauarbeiter direkt neben der Unterkrumbacher Werkstatt die Bodenplatte des kellerlosen, künftigen Domizils der Familie Danzer. Bis zum Sommer ziehen Zimmerer das komplette Gebäude hoch, das der Hersbrucker Architekt Norbert Thiel entworfen hat. Planer und Handwerker sind alle aus der Region.
Das Wohnhaus kostet rund 350 000 Mark. Es soll weniger Muster als vielmehr eine Anregung für eigene Entwürfe sein. Darum orientieren sich Führungen, die schon während der Bauphase geplant sind, nicht an den Räumen, sondern an den Möglichkeiten des Materials.
Die Unterkrumbacher verknüpfen die nützliche Vorbildfunktion mit dem Praktischen: Natürlich steht das künftige Domizil auch Kunden offen, die sich Möbelmacher-Produkte in einem realen Haushalt ansehen möchten. Zudem nutzen die Danzers die Holzbrikett-Heizung der Schreinerei mit, beziehen von dort auch Strom, Warm- und Brauchwasser.
Interessenten, die ähnlich bauen möchten, könnten stattdessen mit Pellets heizen. Das sind kleine, gepresste Holzspäne, die in einer speziellen, modernen Heizanlage verbrennen und übrigens kein „Möbelmacher“-Produkt sind. Momentan kostet dieser Energieträger nicht mehr als Öl.
Im Gegensatz zur Werkstatt, die vor vier Jahren aus heimischem Kiefernholz gebaut wurde, verwenden die Zimmerer diesmal Fichte und für Verschalungen Lärche. „Fichte gilt allgemein als bunt und unruhig“, weiß Danzer. Nicht nur gegen diese Einstellung treten er und die Holzinitiative jetzt den Gegenbeweis an. mz
(hier irrte Michael Scholz, es ist andersherum: die Werkstatt ist aus Fichte, das Musterhaus wird aus Kiefer gebaut. Anm.d.Redaktion)
Aktuelle Infos zu dem Projekt und zur Holzinitiative: www.die-moebelmacher.de.
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| Mitteilungsblatt vom Dezember 2000
von herwig Danzer
Der Essplatz ein Symbol der Gastfreundschaft gestern und heute
Der Essplatz gewinnt immer mehr an Bedeutung. Denn welche Gesellschaft möchte noch ins Wohnzimmer umziehen, wenn der Essplatz gemütliches Sitzen, guten Blickkontakt und vor allem kurze Wege zum Weinglas oder der Chipsschale verspricht. Der Handel bietet heute eine Vielzahl unterschiedlichster Materialien, Stilrichtungen und Funktionen an, die in Ihrer Variabilität nur von der Einzelanfertigung der Schreiner übertroffen werden können. Hier ein paar Tipps um die Entscheidung zu erleichtern.
Die gute alte Eckbank
Die Eckbank ist immer noch ein Symbol der Gemütlichkeit. Die aktuelle Variante steht nicht mehr auf den massiven Wangen der alpenländischen Vorbilder, sondern auf leichten Füßen. Die sind mal gerade, mal konisch, mal gedrechselt, mal aus Holz und mal aus Edelstahl, aber das Entscheidende ist nach wie vor der Satz: “Rutsch mal weiter.” Die Erinnerung an die eigene Kindheit, die Gastfreundschaft und der Platz für alle “Nachbarskinder” sind die unschlagbaren Vorteile dieser Lösung.
Die moderne Alternative: die Einzelbank
Sechzig Zentimeter tief ist eine Bank im Durchschnitt. Wenn der kurze Schenkel der Eckbank weggelassen wird, kann der Tisch also sechzig Zentimeter länger werden und die dazu passende Bank auch. Bank und Tisch stehen dann stirnseitig an der Wand oder - noch besser - am Fenster und bieten einen Sitzplatz mehr als die Eckbankvariante. Der Vorteil des großen Tisches zeigt sich vor allem wenn Gäste kommen, denn dann kann man Einzelbank und Tisch einfach verschieben und dadurch den stirnseitigen Platz wieder freigeben. Das erspart die aufwendige Mechanik der Ausziehtische, die bei Platten aus massivem Holz wegen der Gefahr des Verziehens sowieso nur selten angewendet wird. Die Einzelbank kann für Feste auch mal in den Garten getragen werden und am großen Tisch können auch mal zwei Personen große Zeitungen wie “Die Zeit” lesen. Die Einzelbank ist die Variante für Menschen, die die Funktionalität des großen Tisches der Gemütlichkeit der Eckbank vorziehen.
Vorsicht Falle Tischgestell
Tische, die die Beine ganz außen haben, sind zwar meist wunderschön, aber generell nur für Stuhllösungen geeignet, denn das Reinrutschen in eine Bank funktioniert nur, wenn man den Tisch wegschiebt. Diese Einrichtungsregel wird leider häufig missachtet, bei Bänken mit Armlehnen werden den Besuchern dann fast akrobatische Fähigkeiten abverlangt. Im Gegensatz dazu bieten sogenannte Wangengestelle genügend Kniefreiheit und sind selbst in modernen Fußvarianten der historischen Plattenvorbilder mit Keilen sehr bequem zum Ein- und Aussteigen. Auch die nach innen gerückten Füße vieler moderner Tischgestelle bieten diese objektiven Vorteile, oft werden die Enden der Tischfüße durch Manschetten aus Edelstahl vor aggressiven Staubsaugern oder Schrubbern geschützt.
Der Klassiker das Zargentischgestell
So stellt sich jeder einen Tisch vor: vier Beine, an jeder Ecke eines und viele Stühle drumrum. Toll, wenn der Platz dazu vorhanden ist, dann hinter jeder Tischkante sollte mindestens ein Meter zur Verfügung stehen. Dann kommen als Stühle auch Hochlehner zur Geltung, die bei engeren Verhältnissen eher problematisch sind. Die Höhe der Zarge so heißt das Verbindungsbrett zwischen den Tischbeinen entscheidet über die Bequemlichkeit des Tisches. Das ist besonders für großgewachsene Gäste oder Besitzer wichtig, denn ein Übereinanderschlagen der Beine wird hier häufig unmöglich. Gute Möbelhändler und fast alle Schreiner bieten bei Stühlen und Tischen Wunschhöhen an, denn das ergonomisch entscheidende Maß ist allein die Unterschenkellänge des größeren Partners.
Der richtige Stuhl
Hier hat die Industrie mit den großen Stückzahlen gegenüber den Schreinern einen Vorteil. Denn sechs Stühle können nicht zum gleichen Preis wie sechzigtausend gefertigt werden. Trotzdem lassen sich engagierte Kunden immer wieder auch Stühle in Einzelanfertigung herstellen, weil das für sie passende Modell noch nicht auf dem Markt ist. Generell sollte man bei Stühlen auf die Herkunft achten, denn bei europäischen Qualitätslieferanten können Stühle auch mal ausgetauscht oder repariert werden, während bei Billigprodukten die Reparatur oft notwendig, aber teuerer als die Anschaffung ist. Qualität erkennt man bei Stühlen erst nach dem Umdrehen desselben, denn die Eckverbindungen sind die statisch problematischen Stellen. Große Leimflächen durch möglichst feine Verzahnung garantieren lange Lebensdauer. Diese rechtfertigt auch den höheren Preis gegenüber den Billigimporten. Als Polsterung wird zunehmend Leder verwendet, weil es selbst nach vielen Jahren und mit “Patina” noch attraktiv aussieht, während kaputten Stoffpolsterungen sofort ein Makel anhaftet.
Die Oberflächen
Eine Tischplatte sollte generell nur aus Hartholz sein, am besten massiv. Vorsicht: nur “Massivholz” ist durch und durch Holz, “Vollholz” sind furnierte Fichtenplatten, die nur unwesentlich dauerhafter sind als furnierte Spanplatten. Während lackierte Tischplatten eine höhere Anfangsstabilität aufweisen und besser glänzen, sind geölte Massivholzplatten leichter zu pflegen. Denn jedes Nachölen macht die Platte stabiler, während der Lack vom ersten Tag an immer mehr Macken bekommt. Dagegen lassen sich aus geöltem Massivholz sogar tiefe Druckstellen mittels nassem Lappens und heißem Bügeleisens ausbügeln. Deshalb spricht der Volksmund auch vom “Ausbügeln eines Fehlers.” Als Holzarten eignen sich vor allem die stabile heimische Buche und der etwas weichere Ahorn, weil diese Arten zu den geschlossenporigen Holzarten zählen. Andere Harthölzer wie Esche und Eiche sind von der Holzstruktur her offenporig und damit weniger leicht zu pflegen (mit einer Lupe kann diese Unterschiede jeder selbst entdecken).
Fazit
Ein Essplatz sollte zunächst einmal nach den funktionalen Kriterien wie Platzaufteilung, Beinfreiheit und Pflegeleichtigkeit der Oberfläche ausgewählt werden. Die stilistischen Vorlieben kann ein gutes Möbelhaus oder engagierte Schreiner im Anschluss befriedigen, denn der schönste Essplatz macht nur dann Spaß, wenn die Familie und die Gäste auch gerne daran sitzen.
herwig Danzer, Die Möbelmacher; Pressesprecher der Schreinerinnung Nürnberger Land
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